Energetische Sanierung Spital „Zum Heiligen Geist“ in Blaubeuren

Fotomaterial: www.architekturbuero-gebhardt.de

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Baujahr: 2010 bis 2012
Auftragsvolumen: 1,27 Mio. €
Bauherr: Stadt Blaubeuren
Architekt: Architekturbüro Gebhardt, www.architekturbuero-gebhardt.de
Zimmerer-, Dachdecker und Stahlbauarbeiten: Holzbau Gebrüder Pappe GmbH, 99084 Erfurt, www.holzbau-pappe.de

Die Blautopfstadt Blaubeuren im Alb-Donau-Kreis im Osten von Baden-Württemberg, liegt am Fuße der Schwäbischen Alb und kann auf eine fast 1000-jährige Geschichte blicken. Die Keimzelle der heutigen Stadt ist jedoch das um 1085 von den Grafen von Tübingen am Blautopf gegründete Benediktinerkloster Blaubeuren, das von Mönchen aus dem Kloster Hirsau bezogen wurde. Das Kloster förderte den Zuzug von Handwerkern und Dienstleuten und besaß das Marktrecht, so entwickelte sich um das Kloster rasch eine weltliche Gemeinde, die bei ihrer ersten Erwähnung im Dezember 1267 bereits als befestigte Stadt im Besitz der Pfalzgrafen von Tübingen erscheint.

Blaubeurer Spital „Zum Heiligen Geist“

Das spätgotische Spitalgebäude wurde seit seiner Entstehung mehrfach umgebaut und unterschiedlichen Nutzungszwecken angepasst. Das Spital wurde 1424 vom Generalvikar des Bischofs von Konstanz, Magister Johannes Ruess gestiftet. In den folgenden Jahrhunderten entwickelte sich das Spital zu einer wohlhabenden und für die Stadt Blaubeuren bedeutenden Einrichtung. 1938 wurde die Eigenständigkeit des Spitals Spital aufgehoben und der Stadt untergeordnet. In der alten Eingangshalle befindet sich ein Zyklus von Wandmalereien mit Darstellungen aus dem Leben der „Heiligen-Elisabeth von der Wartburg“ aus dem 15. Jahrhundert.

Es gab im Laufe der Zeit mehrfache Sanierungsmaßnahmen, die zu einer teilweisen Zerstörung des historischen Fachwerkgefüges geführt haben. Bei der 2010/12 realisierten Generalsanierung mit Umbau stand die energetische Sanierung sowie die Sanierung und Ergänzung von Konstruktionsteilen am alten Dachstuhl und Fachwerk im Mittelpunkt. Der Gebäudekomplex bestand in der Ausgangssituation vor Sanierung aus mehreren Bauten unterschiedlicher Bauphasen.

Der Hauptbau ist ein giebelständiger Fachwerkbau des 15. Jhds. und verfügt über ein massives Erdgeschoss, kräftig über Balkenköpfen und Knaggen auskragende Ober- und Giebelgeschosse, mittelalteriche Konstruktionselemente (Verblattungen, Mann-Figur), Satteldach mit Gauben. Der Flügel zur Karlstraße ist ein traufständiger zweigeschossiger Bau, verputzt, mit einem großen Durchfahrtstor, Satteldach mit Zwerchhaus. Dieser wurde 1470 erbaut, im südlichen Querbau befindet seit 1962 das Urgeschichtliche Museum. Es fanden fortwährende Veränderungen im Inneren statt.

Das Spital hat als großer Komplex hohe stadtbildprägende Bedeutung sowie in seiner eigentlichen Funktion hohen dokumentarischen Wert für die Sozial- und Stadtgeschichte Blaubeurens.

Bei der Sanierung wurde eine Zusammenführung der beiden Gebäudeteile realisiert. Hierzu mussten die bestehenden Gebäude vollständig entkernt werden. Die Integration der bestehenden erhaltenen eichenhölzernen Dachstuhlkonstruktion, des Fachwerks und der Deckenkonstruktion war dabei eine besondere bauliche Herausforderung. Über den historischen Dachstuhl wurde eine neue Dachstuhlkonstruktion errichtet. Die Herstellung dieser Konstruktion erforderte erhebliche Stahlbauarbeiten. Es wurden innenliegende Stahlprofilträger mit Feuerschutzbeschichtung zwischen die alte Fachwerkkonstruktion eingebaut.

Abschließend erfolgte eine Dacheindeckung nach historischem Vorbild mit naturroten Bieberschwänzen mit Korbbogenschnitt.

Alle Arbeiten im Bereich Zimmererarbeiten, Stahlbauarbeiten und Dachdeckerei wurde von unserem Unternehmen realisiert. Die Sanierung wurde durch das Architekturbüro Gebhardt aus 89143 Blaubeuren, Weilerstrasse 41 begleitet.